Viertklässler besuchten Moschee

Originale Begegnung in Dingolfinger Moschee

Die beiden vierten Klassen besuchten am vergangenen Freitag die Moschee in Dingolfing.

Im Religionsunterricht beider christlicher Konfessionen als auch im Ethikuntericht steht das Kennenlernen der großen Weltreligionen auf dem Lehrplan. So machten sich die Viertklässler der Grundschule auf den Weg, um sich in der Moschee in Dingolfing über die Religion des Islam zu informieren.
Zusammen mit Konrektor Walter Koch und Lehrerin Anita Schwimmbeck fuhren die zwei vierten Klassen der Grundschule am vergangenen Freitag um 9.00 Uhr zur Dingolfinger Moschee, um sich dort vom Vorsitzenden der Türkisch-islamischen Gemeinde Ersin Akbaba und seiner Tochter Hanni durch das Gebäude führen und die Grundlagen der islamischen Religion erklären zu lassen.

Bereits am Eingang des Gebäudes beeindruckte der mächtige Springbrunnen, um den sich die Kinder zunächst versammelten, die jungen Besucher. Sie erfuhren, dass im Sommer das erfrischende Wasser des Brunnens für die rituelle Reinigung dient, die jeder gläubige Moslem vor dem Gebet vornimmt. Den Winter über führe der Brunnen natürlich kein Wasser und die Waschung werde in einem eigenen Waschraum im Inneren der Moschee vorgenommen.

Frau Akbaba führte die Kinder zunächst durch die verschiedenen Aufenthaltsräume im Moscheegebäude. Im Erdgeschoß ein Treffpunkt für die Männer zu Gespräch und Geselligkeit. Im ersten Stock befindet sich ein Raum für die Frauen. Zugleich findet dort jeden Sonntag der Koranunterricht für die Kinder statt. Große Plakat mit arabischen Schriftzeichen hingen dafür an der Wand. Im ersten Stock befindet sich auch der Gebetsraum für die Frauen auf einer Art Empore.

Ersin Akbaba führte die Kinder dann in den Waschraum, der für die rituelle Waschung vor dem Gebet von den Männern genutzt wird. Dort zeigte er den Schulkindern ausführlich die religiöse Waschung in ihrem vorgeschriebenen Ablauf vor und erklärte ihre Bedeutung. So sollten Hände, der Kopf mit Mund, Nase und Ohren, aber auch Arme und Füße vor dem Beten wirklich und symbolisch gereinigt werden, damit der Gläubige innerlich und äußerlich rein sich zum Gebet einfindet. Anschließend ging es dann in den großen Gebetsraum der Moschee. Vor dem Betreten mussten die Kinder natürlich auch ihre Schuhe ausziehen, wie es die islamische Religion vorschreibt.

Sofort fiel den Kindern auf, dass der Gebetsraum vor allem im vorderen Bereich mit bunten Kacheln geschmückt war, die verschiedene Ornamente, arabische Schriftzeichen, aber keine Bilder enthielten. Ersin Akbaba führte den Kindern auch den Ablauf eines feierlichen Freitagsgebets, zu dem sich die Moslems in der Moschee versammeln, in Auszügen vor. Zum Auftakt erklang der melodiös vorgetragenen Gebetsruf eines Muezzin, der wenn auch unverständlich, da traditionell in Arabisch vorgetragen, die Kinder in eine fremde Welt entführte. Hanni Akbaba erklärte die Inhalte des Gebetes und die dabei vollzogenen körperlichen Bewegungen des Stehens, Kniens und sich Verbeugens.

Interessantes erfuhren die Schulkinder auch zur Ausstattung der Moschee. Ganz vorne und zentral fand sich eine halbrunde Nische, die als „Gebetsnische oder Mihrab“ bezeichnet wird und stets zur heiligen Stadt des Islam Mekka ausgerichtet ist, wohin sich die Betenden jeweils beim Gebet wenden. Auch das Muster des Teppichs, auf dem die Kinder saßen, zeigte in diese Richtung. Rechts neben der Gebetsnische befindet sich der „Mimbar“, die Predigtkanzel. Von diesem hohen Predigtplatz aus hält der Imam beim Freitagsgebet oder an hohen Feiertagen die Predigt. Auf der linken Seite befindet sich das Redepult, auch „Kürsü“ genannt. Von hier aus werden die Themen der Gemeinde sowohl religiöser wie auch weltlicher Art an den sonstigen Tagen besprochen. Das üblicherweise zu einer Moschee gehörige Minarett, ein dem christlichen Kirchturm ähnlicher Rundturm, sei in Dingolfing noch nicht genehmigt worden. Fünfmal am Tag seien die Gläubigen des Islam zum Gebet gerufen. Das tägliche Gebet gehöre zu den fünf wesentlichen Merkmalen des islamischen Glaubens, den so genannten fünf Säulen des Islam, die Hanni Akbaba den Kindern ebenfalls vorstellte: das Glaubensbekenntnis, das Fasten im Monat Ramadan, das Almosengeben und die Wallfahrt nach Mekka gehörten ebenfalls dazu. In einzelnen Fragen erkundigten sich die Kinder noch nach weiteren Gegenständen wie etwa den vorhandenen Gebetsketten, christlichen Rosenkränzen nicht unähnlich. Jesus werde im Islam als einer der großen Propheten neben anderen verehrt.

Viel zu schnell war die Besuchszeit von etwas mehr als einer Stunde abgelaufen und die Kinder mussten sich sichtlich beeindruckt wieder auf den Heimweg machen. Kinder und Lehrkräfte bedankten sich abschließend für die Möglichkeit der persönlichen Begegnung, die wesentliche Grundlage eines verstehenden Miteinanders seien.

Koch Walter

« Zurück

Schule

Menschen